Konzept

Hier findet ihr einen Auszug aus unserem Konzept zur Errichtung einer Freien Alternativschule: Auszug des Konzepts herunterladen


Grundüberlegungen zur Errichtung einer Freien Alternativschule

(Begründung des besonderen pädagogischen Interesses gem. § 144 NSchG)

Hilf mir es selbst zu tun! (M.Montessori)

Immer mehr Eltern wünschen sich alternative Möglichkeiten zur Beschulung ihrer Kinder. Diesem nicht neuen aber stetig wachsendem Trend geht eine sich immer schneller verändernde Gesellschaft voran, in der gerade der sensible Lebensabschnitt Kindheit/Kindsein diesen steten Veränderungen ausgesetzt ist. So erscheint es, dass wir uns in unserer modernen Gesellschaft immer mehr wieder dahin entwickeln, unseren Kindern den Raum zum Spielen, Erleben, Wahrnehmen und nicht zuletzt Lernen immer weiter einzuengen und diese kostbare sowie unbekümmerte Zeit unserer Kinder drastisch zu kürzen und sie nicht zuletzt wieder zu kleinen Erwachsenen machen ( siehe auch: „Eure Kinder sind keine Kinder mehr“, Aufsatz von Arno Stern, 1998 1). Um so dringlicher stellt sich nun die Frage, wie unseren Kindern unter den eben beschriebenen Voraussetzungen eine gesunde Entwicklung zu ausgeglichenen, gleichwohl erstarkten Persönlichkeiten gelingen kann, um sich den sich stetig wandelnden Herausforderungen unserer Welt kreativ und selbstbewusst stellen zu können. In diesem Zusammenhang ist es ebenfalls bedeutsam, dass es in der heutigen, wie auch zukünftigen Gesellschaft immer weniger darauf ankommt, stupide erlerntes Wissen genau wieder zu geben, als mit neuen und sich schnell ändernden Umständen und Fragestellungen umgehen und Lösungen finden zu können.

Wir entstammen einer Elternschaft, die sich bereits im Elementarbereich nach Alternativen umgesehen und dem Konzept des hier ansässigen Bauernhofkindergartens in Teichgut („Abenteuerland- Hof in Bewegung e.V.“), Gemeinde Wahrenholz zugewandt hat. Denn hier finden wir vielfältigen Bewegungsraum sowie Leben und Lernen mit allen Sinnen (Ganzheitlichkeit) in einer interdisziplinär arbeitenden Umgebung. Die positive und nachhaltige Bedeutung dessen für die kindliche Entwicklung ist uns sehr wohl bewusst und stets im Alltag erleb- und fühlbar.

Eine logische Konsequenz hieraus ist die Beschulung in einer ebenso vorbereiteten wie freien (meint: barriere- und angstfreie, sowie mitzugestaltende) Umgebung, die die Selbständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und Naturverbundenheit (im Sinne von Erdung, aber auch ökologisches Verstehen) gleichermaßen fördert. Dieser Denkansatz ist Grundlage dafür, dass sich oben genannte Elternschaft hier im Rahmen des Vereines „Ganzheitliches Leben und Lernen e.V.“ formiert, deren beteiligten Mitglieder und Unterstützer inneres Wachstum, achtsamer sowie respektvoller Umgang miteinander, ökologisches und naturverbundenes Leben wichtig sind. Zu eben diesen Menschen/Familien gehören viele Kinder, denen eine Schulform geboten werden soll, die die eben genannten Werte in ihrem Konzept verankert und vermitteln will.

Da dies jedoch in einem Umkreis von etwa 40 km nicht möglich ist, entstand die Idee zur Gründung einer Freien Alternativschule („Ersatzschule“, NSchG2) in Anbindung an den hiesigen Bauernhofkindergarten, um den Kindern der Region einen solchen Schulweg zu ebnen. Unter Berücksichtigung eines neuen Verständnisses von Bildung („...weniger, stattdessen intensiver“, z.B. bei R. D. Precht), sowie den wissenschaftlichen Ergebnissen moderner Humanwissenschaften, u. a. in der Hirnforschung (vgl. z.B. Gerald Hüther/ Uli Hauser: „Jedes Kind ist hochbegabt“, 2012) wollen wir uns an verschiedenen reformpädagogischen Strömungen orientieren. Hier sind insbesondere Rudolf Steiner (Waldorfpädagogik), sowie Maria Montessori genannt, deren Erkenntnisse über die vorbereitete Umgebung und des intensiven kindlichen Spiels („Polarisation der Aufmerksamkeit“3) eine große Rolle spielen werden. Aber auch Gedanken zum freien Willen inspirieren uns in unseren Demokratischen4 Ansätzen innerhalb des Konzeptes.

Lernort

Der Alltag unseres Lernortes soll in möglichst lockere, sich stets wiederholende Strukturen eingefügt sein. So wird es zunächst eine Ankommensphase mit Freispiel geben, gefolgt von einer Morgenrunde sowie des sich anschließenden Tagesangebotes und Projektarbeit. Unter Einhaltung des Grundsatzes der Freiwilligkeit und Beachtung von demokratischen Ansätzen können die Kinder in altersgemischten Gruppen (intensive Erprobung von Konfliktfähigkeit, Selbstregulierung, Sozialkompetenz) spontan an den ihnen wichtigen Themen und Interessengebieten forschen (Handlungsorientiertheit) und sich frei im Spiel entfalten. Zu diesem Zweck wird ein großes Spektrum an vielfältigem didaktischen sowie natürlichen Materials bereitgestellt ( vorbereitete Umgebung ). Weiterhin ist den Kindern stets der Weg nach draußen offen: Spiel und Bewegung in der Natur sowie der Zugang zu den Elementen Erde-Wasser-Luft als eben solches Lernmaterial spielen auch hier eine große Rolle. Durch Draußen-, bzw. Expeditionstage sollen ihre Erfahrungen mit und in der Umwelt vertieft werden. Der Umgang mit Tieren wird durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bauernhofkindergarten (weiterhin) gefördert. Somit kommt eine Methodik des ganzheitlichen Lernens zum Tragen, die alle Sinne der Kinder anspricht (Förderung von Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit und nicht zuletzt des Selbstbewusstseins).

Pädagogen

Begleitung finden die Kinder durch Pädagogen, die sich vielmehr als Berater/Unterstützer denn als Lehrer verstehen. Die Kinder werden dort abgeholt, wo ihre momentanen Interessen sind. Hierzu bedarf es besonderer Feinfühligkeit, gleichwohl die Fähigkeit, sich zurückzunehmen. Anhand der sich ihm erschließenden Themen und Interessen der Kinder ist es an ihm, die Lernumgebung adäquat und passend zu gestalten (vorbereitete Umgebung). Des weiteren soll ein interdisziplinäres MehrlehrerInnen-System dafür Sorge tragen, dass sowohl langsamere Entwicklungsprozesse auf der einen Seite entsprechenden Raum finden, als auch individuelle Förderung besonderer Begabungen auf der anderen Seite stattfinden kann5 An unserem Lernort stehen die individuellen Bedürfnisse des Kindes in seiner Einzigartigkeit (gelebte Inklusion!) im Vordergrund. Die Kinder erfahren hier einen wertschätzenden Umgang auf Augenhöhe (respektvolles Miteinander, Demokratie), der auf die Qualitäten jedes Einzelnen und die ihm innewohnende Wachstumskraft vertraut. Folgende Ansätze des Verständnisses von Lernen bilden unsere drei pädagogischen Grundpfeiler:

  1. Wir gehen davon aus, dass in jedem Kind Entwicklung in allen drei Ebenen, also körperlich/ Motorik und Wahrnehmung, geistig/ Kognition sowie seelisch/Emotionen angelegt ist (Ganzheitlichkeit). Diese Entwicklungsmuster unterscheiden sich lediglich in ihrer Art und Schnelle der Ausreifung. Somit unterstützen wir jedes einzelne Kind bei seinem individuellen Entwicklungsablauf und Tempo.
  2. Wir begreifen Lernen als einen lebenslangen, individuell unterschiedlichen und aktiven Prozess (vgl. u.a. M. Spitzer), der vor allem auf Handlungsorientiertheit fußt.
  3. Wir legen zugrunde, dass nachhaltiges Wissen nur durch eigene Motivation und die natürliche Entdeckungsfreude des Kindes erlangt werden kann. Das menschliche Gehirn speichert lediglich dann langfristig und abrufbar, wenn selbst erfahrene Handlung in Verbindung mit positiven Emotionen wie Begeisterung und Freude steht: „In seinem Gehirn werden bei diesem Glücksgefühl die emotionalen Netzwerke im Mittelhirn aktiviert. (Neuroplastische Botenstoffe) festigen neue Verbindungen.“6 Von außen oktruierte Anreize oder gar Bestrafungen als Lehrmethode erwirken hingegen keinen nachhaltigen Lernerfolg.

Aus den oben dargelegten Grundüberlegungen hinsichtlich des Lehrens und Lernens ist an unserer Schule konsequenterweise keine Benotung der Kinder vorgesehen. Wir lehnen es strikt ab, unsere Kinder mitsamt den ihnen eigenen Qualitäten in ein nicht aussagekräftiges Notensystem von Zahlen zu zwängen, bzw. dass sie sich untereinander/ aneinander messen und vergleichen. Wir vertreten die Auffassung, dass ein jeder Begabungen mit sich bringt, die positiv für das Gemeinwohl sind. Ein defizitäres Denken halten wir für unnötig wenn sogar gefährlich (Druck, Angst, Blockaden, sowie falsche Vorabdiagnosen durch Lehrpersonal, wie das sogenannte ADHS). Jeder ist um seiner Selbst willen gut wie er ist! Auch widerspräche ein Benotungssystem unserer Auffassung von gelebter Inklusion . Zusammenfassend lässt sich für diese Region ein besonderes pädagogisches Interesse an einer Freien Ersatzschule für eine bestimmte Gruppe von Kindern gemäß Artikel 7, Absatz 5 Grundgesetz, sowie Paragraph 144, Absatz 1 des Niedersächsischen Schulgesetzes feststellen. Ferner wird konstatiert, dass unser Lernort „Freie Grundschule Südheide“ zur gesetzlich vorgesehenen Schulvielfalt nur beitragen kann und somit das Bildungsangebot im Land Niedersachsen erweitert.


  1. Arno Stern in: Unterwegs: Auf neuen Lern- und Erziehungswegen, 1998, S. 29-31
  2. Ersatzschulen sind Schulen in freier Trägerschaft, die in ihren Lern- und Erziehungszielen öffentlichen Schulen entsprechen, die im Land Niedersachsen vorhanden oder grundsätzlich vorgesehen sind. Abweichungen in den Lehrund Erziehungsmethoden und in den Lehrstoffen sind zulässig. (§ 142 NSchG )
  3. Vgl. z.B. „Dann höre ich nur noch auf mich...“ Polarisation der Aufmerksamkeit und Stille; in: Montessori- Pädagogik, Einführung in Theorie und Praxis, S.32 ff.
  4. Nach Rebecca Wild
  5. Vgl. hierzu auch Berliner Erklärung zum Selbstverständnis Freier Alternativschulen: „...dass sich Alternativschulen als inklusive Lernorte verstehen.“
  6. Gerald Hüther, Uli Hauser: Jedes Kind ist hochbegabt, S. 66
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